Meine Flucht aus der DDR. Geboren in einem Land, das es nicht mehr gibt. 1956 packten meine Eltern zwei Koffer und flohen — nicht in den Urlaub, sondern aus einem Staat, in dem es nur einen Weg nach oben gab: über die Partei. Kinder wurden in der Schule beiläufig über ihre Eltern ausgefragt, weil Kinder immer die Wahrheit sagen. Das war kein Film. Das war Alltag.
Nicht vorbei: Russland heute. Was ich beschreibe, ist keine Vergangenheit — es ist ein Betriebssystem, das jederzeit wieder hochgefahren werden kann. Gerade jetzt versucht es Russland in der Ukraine: Menschen werden für einen Satz, ein Wort, ein leeres Schild verurteilt. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Kinder ihre eigenen Eltern angezeigt haben.
Mein Dienst als Kampfpilot — Abschreckung statt Krieg. 20 Jahre Kampfjets: erst die F-104 Starfighter, dann der Tornado, mitten im Kalten Krieg, wenige Flugminuten von der Grenze. Kein Heldentum — Handwerk, Wetter, Technik, Checklisten, Alarmstarts. Der Sinn dahinter war einfach: so bereit sein, dass ein Angriff unkalkulierbar gefährlich gewesen wäre. Die Mauer fiel, ohne dass ein einziger Panzer rollte. Das ist Abschreckung.
Euer Recht zu verweigern. Ihr habt das Recht zu verweigern — es steht im Grundgesetz, Artikel 4. Genau dieses Recht ist Teil dessen, was uns von denen unterscheidet, gegen die ich 25 Jahre lang stand. In der DDR durfte man nicht verweigern, im Warschauer Pakt nicht, in Russland heute immer noch nicht. Dass ihr überhaupt Nein sagen könnt, ist das Ergebnis genau jener Freiheit, um die es hier geht.
Der Appell: entscheidet euch bewusst. Ich halte niemanden für einen Drückeberger — sondern für normale Menschen, die keinen Krieg wollen, so wie ich selbst keinen wollte. Mein ganzes Berufsleben war darauf trainiert, dass er nicht stattfindet. Meine Bitte: die Entscheidung aus dem richtigen Grund treffen — nicht aus Bequemlichkeit, nicht weil es alle machen, sondern weil man wirklich hingeschaut hat.